FK-WPH vs Wiener Symphoniker

Spielbericht FK WPh : Wr. Symphoniker   5:0  (1:0)

Am 18.6. 2021 war es soweit. Nach über eineinhalb fußballlosen Jahren trat die Squadra Philharmonica wieder vor ihre Fans. Manch einer rätselte, ob sich die Machtverhältnisse im Wiener Orchesterfußball geändert haben könnten, aber die Weinroten kamen aus der Kabine, als ob sie dort 18 Monate verharrt hätten. So diszipliniert und gut eingestellt. Man hätte es schon vor dem Spiel erahnen können, an der professionellen Art, wie sich die Furia Vino Roja gemeinsam auf dieses wichtige Spiel vorbereiteten. Vor den Augen unseres Laszlo Toma , der das letzte Jahrzehnt unseren Verein entscheidend mitgeprägt hatte und mit dieser Saison sein Karriereende verkündet hatte, war es von Beginn an ein hochprofessioneller Auftritt. Teamchef Janezic wartete gleich zu Beginn mit einer Überraschung auf, die die Herzen der Fans höher schlagen ließ. Er berief eine Legende der 90er in seine Auswahl. Clemens „Die Klette“ Horak feierte ein viel umjubeltes Comeback. Als wäre die Zeit stehen geblieben, kämpfte und rackerte das Vorbild von Generationen und vergrößerte seinen schon annähernd überirdischen Nimbus. Das Spiel war im Gegensatz zu früheren Partien zu Beginn sehr kontrolliert und doch, der großen Hitze geschuldet, etwas fehlerbehaftet. Die Dreier Abwehr Traxler, Debütant Blüml und Lücking machten den Laden dicht und Doppelsechs Schwieso Kurta und der zuvor erwähnte Horak ließen keinerlei Kreativität beim Weißen Ballett aufkommen. Die Symphoniker wirkten ohnehin etwas führungslos, auch weil ihr Kapitän „Hemingway“ Dorfmayr (er spielte mit einem Hut!!!) nicht mehr ganz so austrainiert wie früher erschien. Der ehemalige philharmonische Superstürmer, nun Söldner in symphonischen Diensten, Armin Berger, wirkte zunehmend isoliert und ratlos. Zu diesem Zeitpunkt begann sich das Spiel in eine Richtung der philharmonischen Dominanz zu bewegen. Das neu gestaltete Mittelfeld um den sich dem Alter nicht geschlagen geben wollenden Kapitän Janezic und dem neuen Superstar, der „Chefin“ Andrea Götsch, übernahm das Kommando. Überhaupt wirkte vieles (nicht alles) neu und frisch im Team. Die Debütanten Thummerer (Tor), Blüml und Sinko schlugen ein wie eine Bombe und auch unserer polnischer Legionär Poprawski wußte am rechten Flügel zumindest durch Einsatz zu überzeugen. Ihm konnte man die mangelnde Spielpraxis phasenweise ansehen. In Minute 32 konnte Kapitän Janezic einen selbst erkämpften Eckball zur Mitte bringen und aus dem anschließenden Gestocher schloß Abwehrchef Traxler souverän und sicher zum 1:0 ab. Die heiß ersehnte Pause trat ein und der Kapitän konnte seinen Feinschliff der Mannschaft angedeihen lassen, nachdem er am Feld, oft kritisiert, doch eher zum lautstarken groben Hobel gegriffen hatte.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Die Philharmoniker dominierten nun nach Belieben. Über die starken Flügel, Koncz und Ryska, rissen sie die Flanken der Symphoniker ein ums andere Mal auf. Sehr aktiv in dieser Phase war auch der Stürmerstar der Roten, Daniel Ottensamer, die arrivierte Speerspitze, verlässlicher Topscorer vergangener Jahre. In letzter Zeit nicht ganz so erfolgreich auf dem Papier, aber der Kenner weiß um seinen Wert für die Mannschaft. Er war es auch, der den Ausschlag gab und das Spiel endgültig kippen ließ. Seinen Durchbruch und sicher scheinenden Torerfolg, konnte die gegnerische Defensive nur mit unfairen Mitteln verhindern. Der sichere und vor allem unbestechliche, gestrenge Schiedsrichter Kirschner griff zur Pfeife und verhängte Strafstoß. Trainer Janezic nutzte die dadurch entstandene Unterbrechung und wechselte, laut Reglement korrekt, seinen Kapitän Ronald Janezic ein, der sofort die Verantwortung übernahm und den Strafstoß sicher, scharf und platziert verwandelte.

Nun brachen die Dämme. Rund um den neuen Superstar im Mittelfeld, Andrea Götsch, die unermüdlich kämpfte und zur Frau des Spieles avancierte, rollte Angriff um Angriff auf das Tor der Symphoniker. Janezic ließ zwei Gegner aussteigen , seinen darauf folgenden Schuß konnte der fabelhafte Schlußmann des weißen „Balletts“ bändigen. In Minute 60 erhöhte Traxler nach sehenswerter Kombination mit dem mannschaftsdienlichen Ottensamer auf 3:0. Die Philharmoniker drückten unwiderstehlich und so kam es zum historischen Moment. Eine Ecke von Janezic köpfte unsere Andrea in der 65. Minute unnachahmlich ein. Umringt von baumlangen, hochkonzentrierten Verteidigern, stieg sie hoch, alle Gegner von sich abprallen lassend und platzierte das Spielgerät ins lange Eck. Die Dämme brachen, die Fans skandierten ihren Namen; ein Platzsturm konnte nur mit Mühe verhindert werden, nachdem der, den ganzen Winter trainierte Torjubel, nahezu perfekt gelang. Außer drei verschobenen Wirbeln beim Alten. Das erste und wahrscheinlich bei weitem nicht letzte Tor einer Frau im philharmonischen Team. In dieser Euphorie und den zusammenbrechenden Strukturen des symphonischen Teams ging ein weiterer epischer Moment fast unter. Kurta (Schwieso) spielte einen Paß , der so genial war, daß nur sein Schwiegervater darauf reagierte, seinen Gegenspieler mit einer Körpertäuschung aus dem Spiel nahm und am herauseilenden Tormann vorbei zog und aus spitzem Winkel abschloß. Das war der krönende Abschluß eines historischen Spieles.

Danach konnte man Gerüchte in der Fankurve vernehmen, daß ein Vereinspolitischer Umbruch kurz bevorstünde und kein Stein auf dem anderen bleiben solle. Aber wer den Präsidenten kennt ,der weiß, daß er sich bis zum letzten Atemzug an die Macht klammern wird, auch wenn viele schon seine Ablöse fordern. Wer weiß, was die Zukunft bringt.  Vielleicht gibt es ja auch eine geordnete Amtsübergabe im philharmonischen Team.

Team : Thummerer, Traxler, Blüml, Stangl, Lücking, Horak, Kurta, Kusztrich, Koncz, Poprawski, Ryska, Sinko, Götsch, Janezic R., Ottensamer

Schiedsrichter Kirschner

Tore: Traxler (32.,60.), Janezic R.(57.,69.), Götsch (65.)

LAC-Platz Wien 3

Zuschauer 20