Spielbericht West Eastern Divan Orchestra
Ein Volksfest warf seine Schatten voraus. Die Wiener Philharmoniker trafen an ihrer neuen Heimstätte in Seekirchen am Wallersee auf ein ambitioniertes Team des West Eastern Divan Orchesters, jenes Jugendorchesters, daß Maestro Barenboim aus Musikern verschiedenster Nationen gebildet hatte. Schon das Auftreten der Gäste war beeindruckend.
Mit klingendem Spiel zogen die Insassen dreier Reisebusse auf das Gelände in Seekirchen ein, und eine riesige Stimmung mit ihrer Blasorchester-Combo verbreitend beeindruckten sie nicht nur die Fans der Wiener. So manch hartgesottener alter Hase des so erfolgreichen Ensembles schien wackelige Knie zu bekommen. Doch wie ein Fels in der Brandung wirkte der Präsident der Wiener. Er eilte von Spieler zu Spieler, munterte auf, schüttelte Hände, peitschte auf, kurz und gut, er tat alles um in dieser aufgeheizten Atmosphäre das Heft in der Hand zu behalten. Miteinander musizierten Protagonisten beider Orchester den Florentiner Marsch, teils unter der sachkundigen Leitung von Maestro Barenboim. Danach führte der Schiedsrichter beide Mannschaften aufs Feld, wo sie vom äußerst Gastfreundlichen Seekirchner Bürgermeister aufs Freundlichste empfangen wurden. Im Anschluß daran wurde von Maestro Barenboim und dem philharmonischen Vorstand der Ehrenanstoß vorgenommen und so mancher im Publikum fragte sich, warum zwei solche Kräfte nur auf der Tribüne ihre Wirkung entfalten durften. Die zahlreichen Fans beider Mannschaften, im Verhältnis 1:2 aus philharmonischer Sicht, produzierten einen Höllenlärm und der Anpfiff des Schiedsrichters wurde kaum wahrgenommen. Die Gäste setzten sogleich auf eine stürmische Anfangsoffensive und man muß neidlos anerkennen, dass sie die Profis in Weinrot auch vor ziemliche Probleme stellten. Goalie Theurer, unser letzter Neuzugang, zeigte sogleich, dass er sein Geld wert ist. An seinen Paraden scheiterten sie mehrmals. Die Abwehr, unter der Leitung von Martin Mühlfellner wankte kurz, aber sie fiel nicht. Nach vorne ging zunächst wenig. Der Kapitän versuchte lautstark das Team zu organisieren und nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang dies auch zusehends. Nun begannen Ordnung und Disziplin die Oberhand zu gewinnen. Angeführt von den beiden Oldies, Janezic und Hindler, gewannen die Wiener die Schlacht ums Mittelfeld und konnten ihren Offensivmotor in die Gänge bringen. Man konnte förmlich zusehen, wie das taktische Konzept des Trainers zu wirken begann. Er hatte auf ein 4-3-3-System mit stark hängender Spitze gesetzt und begann nun selbst damit, seine beiden Stürmerstars mit gefühlvollen Pässen in Szene zu setzen. Doch das erste Tor sollte ein Publikumsliebling erzielen, der auf eine lange Tor-Durststrecke zurück blicken kann: Benny Schmidinger gelang sein erstes Tor seit dem 25.5.2005 . Vom Kapitän selbst auf die Reise geschickt, vernaschte er seinen Gegenspieler und unter ermunternden Zurufen seines Präsidenten tat er das, wofür er engagiert wurde, er netzte ein. Riesenjubel. Pauli Halwax stürmte das Spielfeld, die philharmonische Fahne schwenkend, während vom gegnerischen Anhang das Darth Vader-Motiv aus "Krieg der Sterne" intoniert wurde. Nun wackelte der Gegner seinerseits und unsere ausgefuchsten Profis wußten dies zu nützen. Daniel Ottensamer bediente seinen Mentor und Kapitän vollkommen uneigennützig mit einem an Genialität grenzenden Lochpaß und dieser ließ den Glanz früherer Tage aufblitzen und versetzte den jungen Musikern den vorentscheidenden Schlag. 2:0. Dabei blieb es zur Pause, obwohl noch eine Fülle an Chancen vorgefunden wurde, so setzte "Rooney" Janezic einen satten Schuß nur knapp über das gegnerische Gehäuse. Zur Pause musste der Teamchef umstellen, zum einen, weil unser alter Abwehrrecke, Herbie Mayr, mit einem Veilchen ausschied, er wurde durch den ausgezeichneten Oliver "Scholli" Madas ersetzt, zum anderen, weil ein Teammitglied durch grobe Disziplin- und Respektlosigkeit dem ehrwürdigen Präsidenten gegenüber aufgefallen war.
Der Name wird an dieser Stelle nicht genannt, weil es sich um ein verdienstvolles Mitglied handelt und der Präsident sich noch einen gewissen Handlungsspielraum für eine etwaige Pardonierung desselben vorbehalten wollte. Doch zurück zum Spiel. Die Wiener hatten nun endgültig das Kommando übernommen und Daniel Ottensamer machte seine Anwartschaft auf den diesjährigen Torschützenkönig mit seinem 9. Saisontor geltend.
Allerdings schien der gegnerische Torwart, trotz einer zu weiten Ballvorlage unseres Publikumslieblings und Frauenschwarms, auf der Torlinie festgenagelt zu sein, was unseren Topstürmer vor keine allzu schwere Aufgabe stellte. Aus einer kleinen Unachtsamkeit gelang dann den Gegnern der Anschlußtreffer. Sie waren in der Mitte durchgebrochen und in dem anschließenden Durcheinander fiel der ballführende Spieler und der Schiedsrichter entschied etwas leichtfertig auf Strafstoß. 1:3. Die Philharmoniker wankten jedoch keineswegs, auch nicht, als unser Martin Mühlfellner versuchte seinem Kollegen "Wimsi" Wimmer unter Zuhilfenahme des Spielgerätes zu enthaupten. Das tat der starken Leistung beider Protagonisten keinen Abbruch. Überhaupt müsste man alle Spieler einzeln lobend erwähnen, zum Beispiel Thomas Smula, die Arbeitsbiene, oder Walter Auer, unseren Flügelflitzer. Sie alle leisteten ihren Beitrag. Jedoch was wäre unser Team ohne Hans Hindler, unseren legendären 10er. Er war sich nicht zu schade auch einmal die Drecksarbeit zu verrichten und der Jugend auch in schweren Zeiten ein leuchtendes Beispiel abzugeben. Er war auch maßgeblich am 4. Tor der Wiener beteiligt, das Andi Ottensamer beisteuerte. Er setzte auch seinen Kapitän ein, der 2x knapp scheiterte.
Ein toller Paß für denjenigen, dem man ansah, daß er den 100er erreichen wollte. Zum Schluß trat noch Janezic einen Freistoß und Daniel Ottensamer wäre beinahe zum 10.Saisontor gekommen. Den daraus resultierenden Kopfball setzte dieser jedoch knapp übers Tor. Der Schiedsrichter erlöste die erschöpften Gäste mit dem Schlusspfiff. Der Bürgermeister überreichte einen Pokal, der im anschließenden Jubel sogleich zu Bruch ging, Publikum stürmte das Feld und mit Musik ging es in die gemeinsame Feier. Wieder einmal hat sich Taktische Disziplin und Ordnung in einem turbulenten spiel durchgesetzt.
FK-WPH: Theurer; Mühlfellner, Mayr (Madas), Wimmer, Smula(Schorn), Hindler, Eder (Auer), Janezic, Schmidinger, Lechner, Ottensamer D.(Ottensamer A.)
: 1:0(24.), 2:0 (39.), 3:0 (56.), 3:1( 67.),4:1 (79.)
Seekirchen
Zusch.: ca.250 !!!!!REKORD!!!!!!